Die Bausteine der Therapie von KPU- Kryptopyrrolurie

Hier die Aussagen von drei Patienten nach Beginn der Therapie:

  1. „Am schnellsten haben meine ständigen Muskelschmerzen nachgelassen. Das war so nach 2-3 Wochen. Ich hatte dann immer noch ein paar Mal kurze Schmerzattacken, bis sie endgültig weggeblieben sind. Ich bin morgens wacher, komme besser aus dem Bett. Bei der Arbeit habe ich festgestellt, dass ich verschiedene Arbeiten besser verbinden kann und nicht an einer Arbeit bleiben muss, um sie abschließen zu können. Mein Gedächtnis ist besser. Wenn ich auf dem Gang einen Kollegen treffe, kann ich gleich bestimmte Projekte ansprechen. Meine Kontrollzettel am PC sind weniger geworden. Ich bin ausgeglichener, wenn ich abends heimkomme und kann mich noch gut den Kindern widmen. Die Therapie hat mir gut geholfen“.
  2. „Ich glaube, dass es noch lange dauern wird, bis es mir wirklich gut gehen wird. Vielleicht habe ich auch noch andere Stoffwechselprobleme. Meine morgendliche Übelkeit besteht unverändert. Auch die Müdigkeit ist noch sehr stark, vielleicht etwas weniger, aber nicht viel. Ich gerate sehr schnell unter Stress. Habe starke Stimmungsschwankungen. Vielleicht ist mein Bauch nach dem Essen nicht mehr ganz so stark gebläht. Meine Familie ist verständnisvoller geworden, seit sie weiß, dass alles nicht meine Schuld ist. Ich darf den Kopf nicht hängen lassen“.
  3. „Mein Sohn ist ein viel besserer Schüler geworden. Er meldet sich jetzt sogar im Unterricht. Die Lehrerin ist ziemlich erstaunt darüber. Seine Fressattacken hat er nicht mehr, er hat auch etwas abgenommen. Er geht auch wieder zu seinen Kumpels, dafür kommt er jetzt manchmal mit blauen Flecken heim nach dem Fußballspielen. Wir sind alle froh darüber, es war ja mit ihm nicht mehr auszuhalten“.

Wie man sieht, erfordert die Therapie Geduld.

Wie soll therapiert werden?

Bei der Therapie von Kryptopyrrolurie gehe ich in drei Schritten vor. Zunächst muss das Mikronährstoffdefizit ausgeglichen werden, im zweiten Schritt werden Folgeerkrankungen behandelt und im dritten Schritt  muss versucht werden, die Mitochondropathie zu bessern.

 

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KPU (Kryptopyrrolurie) und Vitamin D

Menschen, die an Kryptopyrrolurie leiden, weisen häufig einen Vitamin D-Mangel auf. Wie sind die Zusammenhänge? Was sind die Folgen?

Vitamin D wird wie die Vitamine A, E und K zu den fettlöslichen Vitaminen gezählt. Eigentlich ist Vitamin D nach der Definition her gar kein Vitamin, weil es der Mensch mit Hilfe von Sonnenlicht selbst bilden kann. Aufgrund seiner chemischen Struktur gehört das Vitamin D eher zu den Steroidhormonen wie Progesteron, Östradiol, Testosteron oder Cortisol und wird auch wie diese aus Cholesterin gebildet. In den letzten Jahren hat die Wissenschaft neue, geradezu sensationelle Erkenntnisse über Vitamin D gewonnen. Vitamin D wird inzwischen als „ Sonnenscheinhormon“ bezeichnet.

Die Haut, Leber und Niere sind die wichtigsten Organe für die körpereigene Produktion von Vitamin D. Sie findet in den Mitochondrien statt. Das aus der Nahrung aufgenommene Vitamin D wird in Leber und Niere in die aktive Form überführt.

Die Vitamin D-reichsten Lebensmittel sind Fische aus dem Meer. Andere tierische Produkte sind wesentlich ärmer an Vitamin D. Nur die Rinderleber enthält relativ viel Vitamin D. Außer in Pilzen ist in pflanzlichen Lebensmitteln kein Vitamin D enthalten.

Nach Ernährungsberichten der letzten Jahre liegen nur Männer, die regelmäßig Fleisch essen, mit einer Vitamin D-Aufnahme über 5µg im Bereich der Empfehlungen. Alle anderen Gruppen unterschreiten die Empfehlungen um mindestens 20%. Besonders häufig sind Vegetarier vom Vitamin D-Mangel betroffen. Sie führen sich vor allem in den Wintermonaten oft nur 50% der empfohlenen Vitamin D-Menge zu.

Die klassischen Wirkungen von Vitamin D

Die klassischen Wirkungen von Vitamin D liegen im Bereich der Regulation des Calcium- und Phosphatstoffwechsels. Die Steuerung erfolgt im Zusammenspiel mit Parathormon aus der Nebenschilddrüse und Calcitonin aus den C-Zellen der Schilddrüse. Die Zielorgane sind Darm, Niere und Knochen.

  • Darm: Calcitriol steuert die Aufnahme von Calcium und Phosphat im Dünndarm.
  • Niere: Calcitriol fördert die Rückaufnahme von Calcium in der Niere.
  • Knochen: Calcitriol fördert den Einbau von Calcium in den Knochen.

Die neu entdeckten Wirkungen von Vitamin D

  • Vitamin D verbessert die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse.
  • Vitamin D verbessert die Herzfunktion.
  • Vitamin D verbessert die Koordination alter Menschen beim Gehen und vermindert das Sturzrisiko.
  • Vitamin D vermindert Depressionen.
  • Vitamin D verhindert das Wachstum von Tumorzellen bei Dickdarm- und Brustkrebs, sowie beim Melanom.
  • Vitamin D verbessert die Funktion des Immunsystems durch Aktivierung von Abwehrzellen (Makrophagen).
  • Vitamin D schützt vor Autoimmunkrankheiten.

Hat sich die Versorgungssituation mit Vitamin D geändert?

Es gibt zahlreiche Erklärungsversuche darüber, wie sich die Umstellung des Menschen vom Jäger und Sammler in Gebieten mit intensiver Sonneneinstrahlung zum sesshaften Bauern auch in weniger sonnigen Gebieten ausgewirkt haben könnte. Generell sind nur wenige Nahrungsmittel (Seefische und Innereien von Tieren) reich an Vitamin D, so dass die Hauptmenge  durch eigene Produktion unter Sonneneinstrahlung gedeckt werden muss. Nun ist zu bedenken, dass beim Übergang zur Sesshaftigkeit einerseits die Vitamin D-Produktion in der Haut durch die geringere Sonneneinstrahlung stark zurückging, und andererseits aber tierische Lebensmittel mehr und mehr durch Getreideprodukte, also Kohlenhydrate ersetzt wurden. Dadurch wird die Resorption von Calcium aber noch weiter gestört, weil das in Getreidekleie vorkommende Phytin mit Calcium einen schwer löslichen, nicht resorbierbaren Komplex bildet. Insgesamt muss also festgestellt werden, dass sich durch Veränderungen der menschlichen Lebensumstände die Versorgung mit Vitamin D sich eher verschlechtert hat.

Was sind die Folgen des Vitamin D-Mangels?

Die Zunahme von Autoimmunkrankheiten könnte als Folge des Vitamin D-Mangels erklärt werden, denn die Bedeutung des Vitamin D für den Gesamtorganismus geht weit über seine klassische Aufgaben, nämlich die Regulierung des Calcium-Haushaltes, hinaus. Vitamin D beeinflusst eine Vielzahl verschiedener Organe und Funktionssysteme. Die zellvermittelte Immunität, die eine zentrale Rolle bei der Entstehung, bzw. dem Voranschreiten von Autoimmunkrankheiten spielt, wird durch den Vitamin D-Mangel eingeschränkt, denn unter Vitamin D kommt es zu einer Steigerung der Immuntoleranz. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Vitamin D-Spiegel, der für ein optimales Funktionieren des Immunsystems erforderlich ist, höher liegen muss als der, welcher zur Regulation des Calciumstoffwechsels benötigt wird.

Vitamin D und KPU

Bei Menschen mit Kryptopyrrolurie finden sich häufig erniedrigte Vitamin D-Spiegel. Insbesondere ist 25(OH)D3, also Calcidiol, vermindert. Wie oben dargestellt, beginnt die Bildung von Vitamin D in der Leber aus Cholesterin. Nach dem Transport zur Haut wird das dort entstandene Prä-Vitamin D3 wieder zurück zur Leber gebracht, wo schließlich 25(OH)D3 gebildet wird. In der Leber geschieht dies in den Mitochondrien der Zellen. An anderer Stelle wurde bereits über die Störung der Mitochondrienfunktion berichtet. Es ist anzunehmen, dass dadurch auch die Bildung von Vitamin D beeinträchtigt wird. Ein weiterer Punkt ist die überwiegend vegetarische Ernährung von Patienten mit Kryptopyrrolurie, weil Eiweiße schlecht vertragen und deshalb vermieden werden. Die Blässe des Gesichtes ist der Versuch des Körpers, den Vitamin D-Mangel abzumildern. Die Häufung von Autoimmunerkrankungen bei Patienten mit Kryptopyrrolurie, insbesondere die Hashimoto-Thyreoiditis ist auch als Folge des Vitamin D-Mangels anzusehen. Alle Patienten mit Kryptopyrrolurie sollten auf einen Vitamin D-Mangel hin untersucht werden. Eine Substitutionstherapie sollte bei einem Vitamin D-Mangel unbedingt eingeleitet werden.

Inzwischen ist das Vitamin K2 noch hinzugekommen. Es besteht eine Partnerschaft von Vitamin D und Vitamin K2.

 

 

 

 

KPU und Fruchtzuckerunverträglichkeit

Menschen mit Kryptopyrrolurie berichten über zwei Phänomene. Sie klagen über Bauchbeschwerden und Unterzuckerung. Ursache ist eine Unverträglichkeit von Fruchtzucker. Wie ist dies zu erklären?

Fruchtzucker oder Fruktose – früher auch als Laevulose bezeichnet – gehört als Einfachzucker (Monosaccharid) zu den Kohlehydraten. Fruchtzucker kommt in den meisten Früchten und Gemüsen  natürlich vor und ist einer der zwei Bestandteile des „Doppelzuckers“ (Disaccharid), der auch Haushaltszucker oder einfach „Zucker“ genannt wird. Der andere Bestandteil des Haushaltszuckers ist Traubenzucker. Reiner Fruchtzucker wurde früher Diabetikern als Ersatz für Haushaltszucker empfohlen und kann in Drogerien oder Supermärkten gekauft werden.

Symptome

 Viele Patienten berichten über diffuse krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen und breiigen Stuhl. Andere berichten über Schwindel, Zittern, Übelkeit, Schwitzen, schnellen Puls, Hungergefühl, auch kurz nach dem Essen, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Depression, Müdigkeit, aber auch Aggression.

 Was ist die Ursache?

Es liegt an der Fruchtzuckermalabsorption, der verminderten Aufnahme im Dünndarm, oft auch irreführend als Fruchtzuckerintoleranz genannt.

Die Fruktosemalabsorption beruht auf einer Störung des Transportsystems für Fruktose im Dünndarm. Der Transporter GLUT-5 sorgt normalerweise dafür, dass über die Nahrung aufgenommene Fruktose durch die Schleimhaut aufgenommen wird. Erworben oder angeboren ist die Kapazität dieses Transporters vermindert. Fruktose wird als im Dünndarm nicht aufgenommen und führt zu einer Wasseransammlung im Dünndarm. Der Dickdarm kann später diese Flüssigkeit nicht mehr aufnehmen.

Durch bakteriellen Abbau der Fruktose im Dickdarm, denn dort kann Fruktose nicht mehr vom Körper aufgenommen werden,  entstehen Gase, die einen Blähbauch und Blähungen hervorrufen. Es sind vor allem Wasserstoff und Methan. Oft wird eine Fruktose-Malabsorption wie andere Kohlehydrat-Malabsorptionen (z. B. Laktose-Malabsorption) als Reizdarm bezeichnet.

Die Diagnose einer Fruktosemalabsorption erfolgt durch einen H2-Atemtest. Dabei wird nach dem Trinken von fruktose-haltigem Tee der Wasserstoff in der Ausatemluft gemessen.  Wenn viel Methan und wenig Wasserstoff gebildet wird, wobei die Zusammensetzung der Bakterienflora im Darm eine Rolle spielt, dann kann der Test auch falsch negativ ausfallen.

Die Ernährung sollte bei positivem Test fruktosearm oder auch in schweren Fällen fruktosefrei sein. Es hat sich als hilfreich erwiesen, dass diese Patienten ein Ernährungsprotokoll führen. Nur so kann die individuelle Toleranzschwelle festgestellt werden.

Im Speiseplan sollte darauf geachtet werden, dass der tägliche Speiseplan einen höheren Anteil an Glucose (Traubenzucker) im Vergleich zu Fruktose enthält. Gleichzeitig wird die zusätzliche Einnahme von Vitaminen empfohlen. Es sind Folsäure und Zink. Auch die Schilddrüse beeinflusst den GLUT-5-Transporter. Eine Schilddrüsenunterfunktion sollte vermieden werden. Sorbit in Äpfeln behindert den GLT-5-Transporter.

Es ist bisher nicht klar, ob auch hier der Zinkmangel, die verminderte Schilddrüsenfunktion oder auch ein Folsäuremangel, der immer wieder bei Patienten mit Fruktoseintoleranz gefunden wird, für diese Beschwerden als Ursache in Frage kommt. Blähbauch, Bauchschmerzen und breiige Stühle sind die Folge. Eine gleichzeitige Glutenüberempfindlichkeit oder eine Laktoseintoleranz können die Beschwerden noch weiter verstärken.

 Wie sieht die Ernährung aus?

Die einzig mögliche Therapie ist die Vermeidung von Fruktose in der Nahrung. Ganz wichtig ist, dass normaler Haushaltszucker zur Hälfte aus Fruktose besteht und daher ebenfalls vermieden werden muss. „Versteckter“ Zucker ist in vielen Lebensmitteln, besonders in industriell hergestellten, enthalten.

Zu beachten ist:

  • Alle Süßigkeiten wie Milchschokolade, Pralinen, Bonbons und Eiscreme sind reich an Fruktose und sollten nicht gegessen werden.
  • Süßigkeiten, die mit Honig hergestellt wurden, sollten ebenfalls vermieden werden.
  • Fast alle Frucht- und Obstsorten und ihre Säfte, Limonaden und Marmeladen enthalten viel Fruktose. Trockenobst aller Art ist eine „Fruktosebombe“ und besteht teilweise aus 50% Fruktose (z. B. Rosinen). Nussnougatcremes sind ebenfalls sehr fruktosereich.
  • Gemüse ist meist fruktosearm. Es kann aber trotzdem bei starker Empfindlichkeit zu Problemen kommen. Dressings und Tomatenketchup sind ebenfalls reich an Fruktose.
  • Vollkornbrot sollte ebenfalls nicht gegessen werden.

Welche Menge an Fruktose kann ich in der Diätphase zu mir nehmen?

Als Richtwert kann man von etwa 1-2g Fruktose am Tag, das entspricht etwa 40mg/kg Körpergewicht, ausgehen. Saccharose wird zur Hälfte angerechnet. Meist dauert es mehrere Monate, bis wieder mehr Fruktose vertragen wird. Lebensmittel mit einem Fruktose-Gehalt von weniger als 1g/100g werden meist gut vertragen.

Süßes oder Kuchen dürfen nur gegessen werden, wenn sie aus Traubenzucker hergestellt sind. Da Traubenzucker weniger süß schmeckt als Fruchtzucker, muss zum Backen mehr davon  genommen werden.

Je nach individueller Verträglichkeit muss jeder vorsichtig austesten, ob bzw. wie viel der Körper beschwerdefrei toleriert. Entscheidend ist immer die Menge an zugeführter Fruktose und ob gleichzeitig noch Sorbit (E420) (Verschlechterung) oder Traubenzucker (meist Verbesserung) mit aufgenommen wird. Deshalb sollten Diabetikerprodukte ganz vermieden werden. Diabetiker dürfen natürlich keinen Traubenzucker essen, da es sonst zu einer Blutzuckerentgleisung kommt.

Vertragen werden:

Acesulfam      (E950)

Aspartam        (E951)

Cyclamat        (E952)

Saccharin       (E954)

Unverträglich sind:

Isomalt            (E953)

Xylit                 (E967)

Maltit               (E965)

Mannit             (E421)

Sorbit             (E420)

Inulin

Diese Liste ist nicht vollständig. Am Anfang der Diät sollten auch Hülsenfrüchte, vor allem Bohnen und Linsen vermieden werden. Auch die Fettmenge sollte begrenzt sein.

Zusätzlich zur Diät spielt Bewegung eine sehr wichtige Rolle. Durch regelmäßiges Ausdauertraining wird die Darmmotorik angeregt, sodass Gase und auch der Darminhalt schneller weitertransportiert werden. So kann ein Teil der Gase besser über die Atmung ausgeschieden werden. Außerdem bessert sich das Allgemeinbefinden. Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Müdigkeit gehen zurück.

Menschen mit Fruktosemalabsorption haben oft erhöhte Leberwerte. Meist ist nur die GPT erhöht. Wir bestimmen gleichzeitig die Hepatitis-Serologie und autoimmune Lebererkrankungen. Unter der Diät normalisieren sich die Leberwerte wieder.

Tryptophan ist erniedrigt bei Fruktosemalabsorption. Es besteht eine Resorptionsstörung. Deshalb findet man auch erniedrigte Serotoninspiegel. Dies erklärt die gedrückte Stimmungslage.

 

 

 

Menschen mit KPU und ihre Stellung in der Gesellschaft

Sie stehen oft abseits, die Menschen mit KPU. Weil sie doch manchmal auch Sonderlinge sind? Die Integration ist nicht besonders gut, wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. Die Welt ist vielen zu „stressig“ und sie ziehen sich zurück. Nur so können sie ihren Alltag einigermaßen bewältigen. Diese selbstgewählte Isolation verhindert die Integration weiter. Auch der persönliche Umgang kann schwierig sein. Das wiederholte Nachfragen im Gespräch ist anstrengend. Ebenso die Stimmungsschwankungen, die latente Aggression und die Unzuverlässigkeit, etwa bei Terminen und gemeinsamen Vorhaben.

Die Isolation verstärkt den Stress und somit die Beschwerden. Ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist. Aber auch der Umgang mit anderen Menschen bedeutet wieder Stress. So muss mit einer Zunahme der Frustration gerechnet werden, wenn keine entscheidende Hilfe angeboten wird.

KPU (Kryptopyrrolurie) und Aggression

Aggression ist bei Menschen mit KPU vorhanden. Latent, aber auch offen. Bei Erwachsenen und auch bei den Kindern. Die Aggression stammt aus der Frustration. Immer wieder gibt es Hürden und Begrenzungen. Immer wieder kann ein Ziel nicht erreicht werden. Man muss sich meist mit Weniger begnügen. Die Möglichkeiten können nicht ausgeschöpft werden. Die Fähigkeiten sind da, aber sie können nicht realisiert werden.

Immer wieder stößt man bei Menschen mit KPU auf besondere Fähigkeiten. Sei es im künstlerischen Bereich oder anderswo. Und die Sammlerleidenschaft. Sie kommt aus dem Bestreben, etwas durchzuhalten, es nicht abreißen zu lassen, es nicht zu unterbrechen, durchzuhalten. Einen Gegenpol setzen.

Aber immer wieder kommt es zu Störungen und Unterbrechungen. Man muss wieder von vorne anfangen und dann kommt der Frust. Da soll man noch ruhig bleiben. Nein, das macht aggressiv. Man muss „Luft“ ablassen. Dann geht es wieder besser.

Wie ist der Mensch mit KPU organisiert?

Der Mensch mit KPU ist schlecht organisiert. Sein Leben ist wenig strukturiert. Er ist impulsiv und spontan, denn er weiß, dass er sofort handeln muss, weil er sonst alles wieder vergessen hat. Er geht wenig planvoll zu Werke. Frühere Impulse werden wieder aufgenommen und weitergeführt. Manche Dinge bleiben liegen, bis sie „wiederentdeckt“ werden. Das kann zu Problemen führen. Wenn wichtige Dinge nicht rechtzeitig „wiederentdeckt“ werden, können wichtige Fristen verpasst werden. Das kann Ärger geben.

Im Haushalt ist es auch wenig organisiert. Die Spontanität steht im Vordergrund. Es ist eher ein „Messi-Haushalt“. Neue Dinge kommen hinzu. Älteres ist noch nicht abgearbeitet. Aber es gibt auch „gute“ Tage. An denen gelingt es einiges weg zu arbeiten. Aber dann beginnt alles wieder von vorne.

Ständig gibt es Spannungen, denn Termine können nicht eingehalten werden oder sind vergessen worden. Aber es gelingt doch immer wieder auch positive Ergebnisse zu erreichen. So nimmt das Leben seinen Lauf.

KPU (Kryptopyrrolurie) und auditive Wahrnehmungsstörungen (Gehörtes wird nicht richtig verstanden)

Menschen, die an Kryptopyrrolurie leiden, haben häufig eine Störung des auditiven Gedächtnisses (Wahrnehmung durch Hören). Überwiegend ist das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Diese Menschen können nur das behalten, was sie verstehen und was sie interessiert. Alle anderen Informationen, die über das Gehör das Gehirn erreichen, werden nicht abgespeichert und sofort wieder vergessen. Die schafft große Probleme im Unterricht in der Schule oder im Studium. In der Freizeit ist charakteristisch, dass diese Menschen lebhaft an Gesprächen teilnehmen. Dabei fällt auf, dass sie ständig dazwischenfragen, weil in der Zwischenzeit aufgrund des schlechten Kurzzeitgedächtnisses der „Faden“ verloren wurde. Das kann für die anderen am Gespräch beteiligten sehr anstrengend sein. Auch das Namensgedächtnis ist schlecht. Gibt es eine Erklärung für diese Besonderheit?

Der Begriff der auditiven Wahrnehmungsstörung ist, wie auch die allgemeine Bezeichnung der „Wahrnehmungsstörungen“, unscharf definiert und nicht allgemein anerkannt. Eine auditive Wahrnehmungsstörung ist als Teilleistungsstörung zu verstehen und wird heute meist als „zentrale auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung“ bezeichnet. Eine Störung der auditiven Wahrnehmung äußert sich in einer Beeinträchtigung kommunikativer Funktionen, z.B. dem Verstehen und Umsetzen akustischer Informationen. Bei den viel häufiger vorkommenden mentalen Entwicklungsstörungen, z.B. den verschiedenen Schweregraden der Intelligenzminderung und den Lernstörungen sowie den Störungen der Aufmerksamkeit kann die Überprüfung der auditiven Wahrnehmung zu auffälligen Ergebnissen führen. Bisher ist in der ICD-10-Klassifikation weder der Begriff der „auditiven Wahrnehmungsstörung“ noch der „zentralen auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung“ berücksichtigt. Es wird eine Häufigkeit von 2-3% bei Kindern nach dem 6. Lebensjahr angenommen.

Eine auditive Wahrnehmungsstörung kann vermutet werden, wenn Menschen in ihrem Verhalten durch folgende Symptome auffallen:

  • verminderte Merkfähigkeit akustisch vermittelter Informationen (Sätze, Reime, Lieder)
  • häufiges Verwechseln klangähnlicher Laute (laut- und schriftsprachlich)
  • übermäßige Lautempfindlichkeit bei üblichem Umgebungslärm
  • reduziertes Sprachverständnis bei üblichem Umgebungslärm (Klassenzimmer, Kindergarten)
  • reduzierte Aufmerksamkeit bei üblichem Umgebungslärm
  • mangelnde Lokalisation einer Schallquelle

Bisher gibt es noch keinen Konsens darüber, welche apparativen Untersuchungsmethoden zur Diagnosestellung am besten geeignet sind.

Neben einer logopädischen Therapie können sich auch Veränderungen der Umgebung positiv auf die auditive Wahrnehmung auswirken: Eine veränderte Sitzposition, z.B. weiter vorne im Klassenzimmer mit Blickkontakt zum Lehrer, Rücksichtnahme auf die Besonderheiten des Menschen durch direktes Ansprechen, Verminderung des Störschalls der Unterrichtsräume, z.B. keine kahlen Wände, keine großen Fensterfläche ohne Gardinen, vor allem aber kleinere Klassen.

Auditive Wahrnehmungsstörungen kommen als Teilleistungsstörungen im Rahmen von ADS, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder von ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom vor.

Als eine der Ursachen beider Erkrankungen wird eine Störung im Dopaminstoffwechsel angesehen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, ein Überträgerstoff im Gehirn, der Signale von Nervenzellen übermittelt. Das häufig verwendete Medikament Ritalin® erhöht die Konzentration von Dopamin im Gehirn.

Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine, zu denen auch Adrenalin und Noradrenalin gehören. Dopamin gilt als das Glückshormon. Dopamin entsteht aus der Aminosäure Phenylalanin. Über Tyrosin und L-Dopa wird mit Hilfe von Vitamin B6 Dopamin gebildet. Die nächsten Syntheseschritte sind dann Noradrenalin und danach Adrenalin. Im Zusammenspiel mit Noradrenalin und Serotonin ist Dopamin die zentrale stimulierende Kraft. Es ist der Kraftstoff, der den Körper antreibt. Dopamin steuert Motorik, Koordination, Motivation und Konzentration. Ein Mangel an Dopamin führt zu Müdigkeit, muskulärer Schwäche, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Aufmerksamkeitsstörung, Selbstzweifel, Depressionen und Libidoverlust.

Ein Mangel an Vitamin B6, verursacht durch eine vermehrte Ausscheidung von Vitamin B6 durch Kryptopyrrol führt zu einer verminderten Bildung von Dopamin. Der Mangel an Dopamin könnte die Erklärung für die auditive Wahrnehmungsstörung sein, zumal unter der Einnahme von Vitamin B6 oft eine Abschwächung der Symptome beobachtet wird.