KPU (Kryptopyrrolurie) und auditive Wahrnehmungsstörungen (Gehörtes wird nicht richtig verstanden)

Menschen, die an Kryptopyrrolurie leiden, haben häufig eine Störung des auditiven Gedächtnisses (Wahrnehmung durch Hören). Überwiegend ist das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Diese Menschen können nur das behalten, was sie verstehen und was sie interessiert. Alle anderen Informationen, die über das Gehör das Gehirn erreichen, werden nicht abgespeichert und sofort wieder vergessen. Die schafft große Probleme im Unterricht in der Schule oder im Studium. In der Freizeit ist charakteristisch, dass diese Menschen lebhaft an Gesprächen teilnehmen. Dabei fällt auf, dass sie ständig dazwischenfragen, weil in der Zwischenzeit aufgrund des schlechten Kurzzeitgedächtnisses der „Faden“ verloren wurde. Das kann für die anderen am Gespräch beteiligten sehr anstrengend sein. Auch das Namensgedächtnis ist schlecht. Gibt es eine Erklärung für diese Besonderheit?

Der Begriff der auditiven Wahrnehmungsstörung ist, wie auch die allgemeine Bezeichnung der „Wahrnehmungsstörungen“, unscharf definiert und nicht allgemein anerkannt. Eine auditive Wahrnehmungsstörung ist als Teilleistungsstörung zu verstehen und wird heute meist als „zentrale auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung“ bezeichnet. Eine Störung der auditiven Wahrnehmung äußert sich in einer Beeinträchtigung kommunikativer Funktionen, z.B. dem Verstehen und Umsetzen akustischer Informationen. Bei den viel häufiger vorkommenden mentalen Entwicklungsstörungen, z.B. den verschiedenen Schweregraden der Intelligenzminderung und den Lernstörungen sowie den Störungen der Aufmerksamkeit kann die Überprüfung der auditiven Wahrnehmung zu auffälligen Ergebnissen führen. Bisher ist in der ICD-10-Klassifikation weder der Begriff der „auditiven Wahrnehmungsstörung“ noch der „zentralen auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung“ berücksichtigt. Es wird eine Häufigkeit von 2-3% bei Kindern nach dem 6. Lebensjahr angenommen.

Eine auditive Wahrnehmungsstörung kann vermutet werden, wenn Menschen in ihrem Verhalten durch folgende Symptome auffallen:

  • verminderte Merkfähigkeit akustisch vermittelter Informationen (Sätze, Reime, Lieder)
  • häufiges Verwechseln klangähnlicher Laute (laut- und schriftsprachlich)
  • übermäßige Lautempfindlichkeit bei üblichem Umgebungslärm
  • reduziertes Sprachverständnis bei üblichem Umgebungslärm (Klassenzimmer, Kindergarten)
  • reduzierte Aufmerksamkeit bei üblichem Umgebungslärm
  • mangelnde Lokalisation einer Schallquelle

Bisher gibt es noch keinen Konsens darüber, welche apparativen Untersuchungsmethoden zur Diagnosestellung am besten geeignet sind.

Neben einer logopädischen Therapie können sich auch Veränderungen der Umgebung positiv auf die auditive Wahrnehmung auswirken: Eine veränderte Sitzposition, z.B. weiter vorne im Klassenzimmer mit Blickkontakt zum Lehrer, Rücksichtnahme auf die Besonderheiten des Menschen durch direktes Ansprechen, Verminderung des Störschalls der Unterrichtsräume, z.B. keine kahlen Wände, keine großen Fensterfläche ohne Gardinen, vor allem aber kleinere Klassen.

Auditive Wahrnehmungsstörungen kommen als Teilleistungsstörungen im Rahmen von ADS, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder von ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom vor.

Als eine der Ursachen beider Erkrankungen wird eine Störung im Dopaminstoffwechsel angesehen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, ein Überträgerstoff im Gehirn, der Signale von Nervenzellen übermittelt. Das häufig verwendete Medikament Ritalin® erhöht die Konzentration von Dopamin im Gehirn.

Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine, zu denen auch Adrenalin und Noradrenalin gehören. Dopamin gilt als das Glückshormon. Dopamin entsteht aus der Aminosäure Phenylalanin. Über Tyrosin und L-Dopa wird mit Hilfe von Vitamin B6 Dopamin gebildet. Die nächsten Syntheseschritte sind dann Noradrenalin und danach Adrenalin. Im Zusammenspiel mit Noradrenalin und Serotonin ist Dopamin die zentrale stimulierende Kraft. Es ist der Kraftstoff, der den Körper antreibt. Dopamin steuert Motorik, Koordination, Motivation und Konzentration. Ein Mangel an Dopamin führt zu Müdigkeit, muskulärer Schwäche, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Aufmerksamkeitsstörung, Selbstzweifel, Depressionen und Libidoverlust.

Ein Mangel an Vitamin B6, verursacht durch eine vermehrte Ausscheidung von Vitamin B6 durch Kryptopyrrol führt zu einer verminderten Bildung von Dopamin. Der Mangel an Dopamin könnte die Erklärung für die auditive Wahrnehmungsstörung sein, zumal unter der Einnahme von Vitamin B6 oft eine Abschwächung der Symptome beobachtet wird.

 

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Autor: lebenmitkpu

Ich bin Arzt, Autor und jetzt auch Blogger. KPU beschäftigt mich seit über 10 Jahren. Immer wieder kommen neue erstaunliche Dinge hinzu. Fast alle Bereiche der Medizin sind betroffen. Ich wünsche mir, dass KPU in der Bevölkerung bekannter wird. Viele Menschen würden davon profitieren und hätten dadurch mehr Lebensqualität.

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