KPU (Kryptopyrrolurie) und der Zuckerstoffwechsel

KPU kann zu einer Überforderung der Nebennieren führen. Dadurch sinkt der Cortisolspiegel langsam ab. Cortisol ist das wichtigste Hormon der Nebennierenrinde.

Welche Konsequenzen sind dadurch zu erwarten? 

Es kommt zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels!

Es gibt eine enge Beziehung zwischen der Funktion der Nebennierenrinde und dem Blutzucker. Wer ständig niedrige Blutzuckerspiegel aufweist, dessen Cortisolwerte liegen meist niedrig. Das Verlangen, Zucker zu konsumieren ist stark.

Warum ist das so?

Der Cortisolmangel führt dazu, dass es länger dauert, bis der gespeicherte Zucker in der Leber, also aus Glykogen freigesetzt wird und als Glucose zur Verfügung steht. Auch die Umwandlung von Fett, Eiweiß und anderen Kohlenhydraten in Glucose ist verzögert. Dies alles führt dazu, dass es schließlich für den Körper zum Problem wird, den Blutzuckerspiegel im Normbereich zu halten, insbesondere wenn noch Stress hinzukommt. Unter Stress steigt auch der Insulinspiegel an und der Energiebedarf der Zellen nimmt zu. Insulin bewirkt den Einstrom von Glucose in die Zellen. Somit fällt der Blutzuckerspiegel weiter ab, wenn das Cortisol fehlt. Manchmal geschieht das innerhalb kurzer Zeit. Die Folgen sind schwerwiegend. An Flucht oder Kampf ist nicht mehr zu denken.

In unserer modernen Welt sieht diese Situation natürlich ganz anders aus. Man isst etwas Süßes und trinkt eine Cola. Dies kann als „Notfallmaßnahme“ bezeichnet werden. Für etwa eine Stunde liegen nun die Blutzuckerwerte wieder im Normbereich. Leider führt die rasche Insulinantwort wieder zum Ursprung des Problems zurück. Viele Menschen handeln so Tag für Tag, ohne zu erkennen, dass die ständigen Blutzuckerschwankungen für den Körper wieder einen neuen Stressfaktor darstellen.

Unterzuckerung ist für unseren Körper ein starker Stressfaktor. Ein Hilferuf an die Nebenniere. Es ist eine Achterbahnfahrt. Blutzucker rauf, Blutzucker runter.  Es ist wie Bremsen und Gas geben gleichzeitig. Die kritischen Zeiten sind 10:00 morgens und die Zeit zwischen 14:00 und 16:00 am Nachmittag.

Fatal ist, dass durch dieses Verhalten eine Gewichtszunahme resultiert. Dies kann dazu führen, dass im Lauf des Lebens dann sogar eine diabetische Stoffwechsellage auftritt. Und in der Tat. Zahlreiche Menschen mit Nebennierenunterfunktion entwickeln im Lauf ihres Lebens einen Diabetes mellitus.

Das Gehirn braucht Glucose, damit es richtig funktioniert. Ganz besonders viel in Stress-Situationen. Die meisten Symptome, die durch die Nebennierenunterfunktion entstehen, kommen durch den Glucosemangel des Gehirns zustande.

Bei Patienten mit KPU ist eine Stressreduktion wichtig, damit sich die Nebennieren wieder erholen können, um mehr Cortisol zu produzieren, das schließlich den Blutzucker stabilisiert. Auch die Substitutionstherapie mit Vitamin B6, Zink und Mangan hilft dabei.

 

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KPU (Kryptopyrrolurie) und das Immunsystem

Eine Besonderheit der Kryptopyrrolurie ist die Immunschwäche. Ursachen sind der Zinkmangel und das fehlende Immunglobulin A. Möglicherweise gibt es aber auch noch andere Ursachen. Das fehlende Vitamin B6 schränkt die Bildung von Lymphozyten ein. Sie sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen und typische Abwehrzellen gegen Erreger, die in den Körper eingedrungen sind.

Aber auch Botenstoffe des Immunsystems brauchen Vitamin B6.

Interleukin 2 (Il-2) , ein entzündungsfördernder Botenstoff, ist betroffen. Dieser Botenstoff gibt ein Signal an die T-Helferzelle (eine Untergruppe der Lymphozyten) und sie beginnt sich daraufhin zu teilen. Interleukin 2 gehört zu den Lymphozyten-Wachstumsfaktoren. Aber das ist noch nicht alles. Interleukin 2 regt die Bildung von Interleukin 4 (ll-4) und Interleukin 5 (Il-5) an. Beide sind entzündungshemmend. Aber  auch B-Lymphozyten vermehren sich durch Interleukin 2. Ein Mangel an Vitamin B6 wirkt sich somit auf das zelluläre als auch auf das antikörpergesteuerte Immunsystem aus.

Im Kindesalter fallen die vielen grippalen Infekte auf. Es sind: Nasennebenhöhlenentzündungen, Rachenentzündungen, Mittelohr-entzündungen, Bronchitis oder Lungenentzündungen. Später kommen Blasenentzündungen hinzu. Insektenstiche infizieren sich leicht.

KPU (Kryptopyrrolurie) und die Psyche

Der amerikanische Arzt Carl C. Pfeiffer vom Princeton Brain Bio Center ging schon Ende der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts der Frage nach, ob nicht die Ursache von bestimmten psychischen Störungen in einem gestörten Stoffwechsel liegen könnte. Eine gesunde Gehirnfunktion ist schließlich auf eine ausgewogene Stoffwechselaktivität angewiesen. In den darauf folgenden Jahrzehnten an Forschung verdichteten sich immer mehr die Erkenntnisse, dass in der Tat verschiedene Mangelerscheinungen an Vitaminen und Mineralien zu psychischen Störungen führen können. Leider wurden diese Erkenntnisse nicht in die medizinische Behandlungsstrategien übernommen.

C. Pfeiffer war der wichtigste Vertreter der Pyrrol-Hypothese. Er entwarf ein biochemisches Modell, wonach Pyrrole eine Bindung mit Vitamin B6 eingehen und zusätzlich Zink binden. Nach dieser Vorstellung zeigen Pyrrole im Urin nicht nur eine Erkrankung des Häm-Stoffwechsels an, sondern sind auch ein Hinweis für einen Zink- und Vitamin B6-Mangel der Betroffenen.

In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde deshalb intensiv nach weiteren möglichen biochemischen Markern für psychische Erkrankungen geforscht. 1961 fanden Irvine und Mitarbeiter, dass Kryptopyrrol mit Psychosen assoziiert sei. 1963 schlugen Hoffer und Mitarbeiter vor, dass Personen, die Kryptopyrrol ausscheiden, an einer psychischen Krankheit leiden. Assoziationen zwischen Kryptopyrrol und psychiatrischen Erkrankungen, besonders Schizophrenien, wurden von verschiedenen Autoren beschrieben. Nach Auffassung von Irvine und Mitarbeiter war Kryptopyrrol bei 30–60 % der psychiatrischen Patienten nachweisbar.

Und in der Tat können auch heute Menschen mit Kryptopyrrolurie psychische Auffälligkeiten aufweisen. Wie Depressionen, Ängste oder Panikattacken.

Carl C. Pfeiffer beschrieb den Menschen mit KPU an 2 Beispielen. Für ihn sind Emily Dickinson, die Dichterin, und Charles Darwin, der Entdecker und Philosoph typische Beispiele für Menschen, die an Kryptopyrrolurie litten. Beide zeichnen sich durch große Originalität aus und litten an typischen körperlichen und psychischen Symptomen von Kryptopyrrolurie. Beide entschlossen sich etwa im Alter von 30 Jahren für ein freiwilliges Exil, um Belastungen von außen zu vermeiden. Jede Veränderung im Alltag führte zu einer Verstärkung der körperlichen Symptome wie Zittern, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Nur durch den Rückzug vom Leben war es ihnen möglich weiterhin schriftstellerisch tätig zu sein. Pfeiffer fand, dass seine originellsten psychiatrischen Patienten an Kryptopyrrolurie litten. Seine Patienten mit Kryptopyrrolurie litten an folgenden Störungen: Lernschwierigkeiten, geistige Retardierung (Entwicklungs-Verzögerung), Autismus, verzögerte Pubertät, Halluzinationen, Depression und Kriminalität. Auslöser waren erste Liebesbeziehungen, Verlassen des Elternhauses, das Leben im Studentenwohnheim oder der Wehrdienst. Pfeiffer berichtet weiter, dass bei stationär behandelten Schizophrenie-Patienten bei 30% eine Kryptopyrrolurie gefunden wurde.

Schwere psychische Erkrankungen treten heute selten auf. Die körperlichen Symptome überwiegen bei weitem. Kryptopyrrolurie gilt heute nicht als psychische Erkrankung. Kryptopyrrolurie wird heute nicht als Erkrankung angesehen, sondern als eine Stoffwechselstörung.

Trotzdem fallen neuropsychologische Besonderheiten auf. Die Traumerinnerung stand bei C. C. Pfeiffer ganz im Vordergrund. Die Therapie wurde solange gesteigert, insbesondere mit Vitamin B6, bis die Patienten sich wieder an ihre Träume erinnern konnten. Dafür verantwortlich ist das schlechte Kurzzeitgedächtnis dieser Menschen. Dieses schlechte Kurzzeitgedächtnis kann den Umgang mit diesen Menschen ziemlich anstrengend machen. Im Gespräch wiederholen sie bereits früher gesagtes erneut, weil sie es bereits wieder vergessen haben. Eine Patientin berichtet völlig entsetzt, dass sie auf einem Fest die Gäste erneut begrüßt habe, weil sie nicht mehr wusste, ob sie es bereits getan hatte.

Eine vermehrte Ängstlichkeit ist durchaus zu spüren. Auch Stimmungsschwankungen, Migräne oder rasche Erschöpfung. Aber sie sind überdurchschnittlich kreativ und originell. Und oft findet man eine Sammlerleidenschaft bei ihnen. Es sind Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler. Sie erhöhen die Vielseitigkeit unserer Welt.

 

 

 

 

KPU (Kryptopyrrolurie) und Hormone, Fruchtbarkeit und Periode

Mehr Frauen leiden an KPU als Männer. Und viele dieser Frauen haben eine unregelmäßige Periode, die dann auch noch schmerzhaft ist. Aber es bestehen nicht nur Menstruationsbeschwerden, auch die Fruchtbarkeit ist herabgesetzt und es gibt Schwangerschaftsprobleme. Eine große Rolle spielt der Progesteron-Mangel. Dieses Hormon wird normalerweise in der 2. Zyklushälfte nach dem Eisprung gebildet. Bei Frauen mit Kryptopyrrolurie sind die Progesteronspiegel niedriger als bei Frauen ohne diese Stoffwechselstörung. Dadurch wirkt das andere weibliche Hormon Östradiol stärker und alle unerwünschten Nebenwirkungen können dadurch auftreten. Brustspannen, Wassereinlagerungen und Stimmungsschwankungen stehen im Vordergrund. Alle diese Probleme gehen auf den Mangel an Zink und Vitamin B6 zurück. Der Aufbau von Progesteron aus dem Ausgangsstoff Cholesterin erfordert diese Vitalstoffe. Auch die Antibabypille wird schlecht vertragen, denn diese verstärkt den Zink- und Vitamin B-Mangel. An den Eierstöcken findet man im Ultraschall Bläschen, die vermehrt männliche Hormone produzieren. Tritt eine Schwangerschaft ein, dann überwiegen die Mädchen. Sie sind einfach robuster als die Jungs und kommen auch unter den erschwerten Bedingungen klar.

Hier ist der Zyklus für diese beiden Hormone dargestellt:

Der höchste Progesteron-Wert wird am 21. Tag gemessen.

 

Ist KPU (Kryptopyrrolurie) eine Krankheit?

Bei Kryptopyrrolurie (KPU) handelt es sich um eine – von der Medizin bisher ignorierte – Stoffwechselstörung. Sie kann angeboren, aber auch im späteren Leben erworben sein. KPU führt zu einem übermäßigen Vitalstoffverlust und infolgedessen zu den entsprechenden Mangelerscheinungen sowie langfristig zu chronischen Erkrankungen. Behebt man nun die KPU, dann bessern sich sehr oft auch die Symptome der vorhandenen Krankheiten. Der Test auf KPU sollte daher bei jeder chronischen und unklaren Krankheit durchgeführt werden.

Kryptopyrrolurie (KPU) betrifft sehr viele Menschen. Man schätzt  etwa 10 Prozent der Bevölkerung, wobei statistisch Frauen sehr viel häufiger an KPU leiden als Männer.

KPU ist seit den 1960er Jahre bekannt, wurde aber bisher von der Medizin bis heute nicht wahrgenommen. Dabei könnte so manche Krankheit verhindert, gebessert oder geheilt werden, wenn man einfach die KPU beheben würde.

Was aber bedeutet der schwer aussprechbare Begriff Kryptopyrrolurie überhaupt?

Krypto bedeutet „versteckt“ oder „nicht sichtbar“.

Bei Pyrrolen handelt es sich um Stoffwechselabbauprodukte des Häms, eines körpereigenen Stoffes. Häm ist einerseits Bestandteil des Hämoglobins (des roten Blutfarbstoffes), andererseits findet man das Häm auch als Komponente der Entgiftungsenzyme in der Leber.

Urie bedeutet, dass etwas mit dem Urin ausgeschieden wird.

Übersetzt heißt Kryptopyrrolurie also, dass nicht sichtbare Pyrrole mit dem Urin ausgeschieden werden.

Damit das klar ist:

Pyrrole scheidet jeder Mensch aus. Menschen mit KPU aber scheiden besonders viele Pyrrole aus. Das Problem nun ist, dass die Pyrrole, wenn sie mit dem Urin ausgeschieden werden, nicht allein den Körper verlassen, sondern zuvor noch bestimmte lebenswichtige Vitalstoffe an sich binden und diese mit sich fortnehmen.

Dies geschieht besonders dann, wenn der Betroffene Stresssituationen ausgesetzt ist. Je mehr Stress der Mensch hat, umso mehr Pyrrole und umso mehr Vitalstoffe scheidet er aus und umso gravierender die gesundheitlichen Folgen der KPU.

Bei den Vitalstoffen, die gemeinsam mit den Pyrrolen den Körper verlassen, handelt es sich hauptsächlich um Vitamin B6, Zink und Mangan. Folglich kommt es bei KPU zu vielen Symptomen, die auf einen massiven Vitalstoffmangel zurückzuführen sind.

Kryptopyrrolurie ist also zunächst eine Stoffwechselstörung und keine Krankheit. Es gibt also auch keine ICD-Klassifikation der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Aber man sollte sie nicht unterschätzen, denn manche Menschen leiden sehr darunter. Denkt der Therapeut dabei nicht an KPU, wird der Patient niemals von seinen Leiden befreit werden.

 

KPU (Kryptopyrrolurie) und Vitamin K2, der Partner des Vitamin D

Die 6. Auflage hat weitere Kapitel:

  • KPU: angeboren oder erworben?
  • Ausleitung von Schwermetallen?
  • Vitamin K2, der Partner des Vitamin D?
  • Fragen und Antworten. Alles über KPU in Kurzform für den raschen Überblick!

 

KPU (Kryptopyrrolurie) und Vitamin K2, der Partner des Vitamin D

Calcium beugt Osteoporose vor, erzeugt aber dafür Herzinfarkte. Das konnte eindeutig bei Langzeitstudien nachgewiesen werden. Calcium verhärtet Gefäße. Was sind die Ursachen? Ist es also gefährlich, Vitamin D zu substituieren? Vitamin D erhöht ja den Calciumspiegel.

Vitamin D ist eine Substanz, die eine gesundheitsfördernde Wirkung auf unsere Knochen hat. Menschen mit KPU haben besonders niedere Vitamin D-Spiegel. Deshalb wurde ihnen geraten, Vitamin D einzunehmen. Bei Kindern und jungen Erwachsenen spielt die Knochengesundheit sicherlich noch eine geringe Rolle. Aber wie ist es bei den Älteren?

Die Forschung hat jetzt das Vitamin K2 entdeckt. Überraschend war, dass es verschiedene K-Vitamine gibt, die unterschiedliche Aufgaben haben. Im Zusammenhang mit Vitamin D ist Vitamin K2 von Interesse. Es ist der Partner des Vitamin D. Immer, wenn es fehlt gibt es bei der Vitamin D-Gabe Probleme. Und es fehlt in Mitteleuropa immer. Angeregt von verschiedenen Veröffentlichungen haben wir selbst Vitamin K2 in der Praxis bei mehreren Patienten gemessen. Alle hatten tatsächlich auch den Mangel! Wenn Vitamin K2 fehlt, dann verstärkt Vitamin D die Arterienverkalkung. Vitamin D holt das Calcium aus dem Darm und das ist gut so. Aber wohin kommt dann das viele Calcium? Es gelangt nicht nur in die Knochen, sondern bleibt auch in den Gefäßen hängen. Vitamin K2 aktiviert das Osteocalcin und das transportiert schließlich das Calcium in die Knochen und in die Zähne. Vitamin K2 ist der stärkste heute bekannte Hemmer der Gewebeverkalkung.

Menschen mit KPU leiden häufig an Karies. Die Ursache dafür war bisher unbekannt. Eng stehende Schneidezähne sind außerdem oft aufgefallen. Irgendwie war der Kiefer zu  klein geraten. Wenn die Kinder Zahnspangen bekamen, dann wurde oft überlegt, ob Zähne gezogen werden müssten, weil der Platz für alle Zähne nicht ausreichte. Es ist interessant, dass Vitamin K2 von einem Zahnarzt entdeckt wurde. Ihm waren diese Besonderheiten nämlich auch aufgefallen. Menschen, die in ihrem ganzen Leben niemals irgendeine Zahnhygiene durchgeführt hatten, besaßen ein hervorragendes Gebiss. Andere hatten ständig Karies. Wie war dies zu erklären?

Dieser Zahnarzt ist in der ganzen Welt herumgefahren, um dieses Rätsel zu lösen. Er fand, dass je isolierter die Menschen von der modernen Gesellschaft waren, desto besser war ihre Zahngesundheit. Sie hatten ihre traditionelle Ernährung beibehalten. Erst die moderne Ernährung veränderte das Bild. Zuerst kam der Karies und die Erkrankung des Zahnfleisches. Wir alle wissen, dass die Zahngesundheit und Herzerkrankungen zusammenhängen. Aber er fand noch andere erstaunliche Dinge. Kinder, die noch traditionell ernährt wurden, hatten breite Kiefer mit ausreichend Platz für die Zähne. Erst die moderne Ernährung verengte die Zahnreihe. Auch die Symmetrie des Gesichtes stimmte nicht mehr. Die Kiefer hatten nicht mehr die Breite der Stirn, denn so war es bisher gewesen. Das untere Gesichtsdrittel ist also in seiner Entwicklung stecken geblieben.

Das Ergebnis vieler Untersuchungen der Nahrungsbestandteile traditioneller Ernährungsweisen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ergab, dass diese Nahrung ein Vielfaches an fettlöslichen Vitaminen aufwies gegenüber der modernen Ernährung. Man isolierte aus der Nahrung einen fettlöslichen Faktor, der erst 2007 als Vitamin K2 erkannt wurde.

Im Laufe der Zeit wurden weitere positive Wirkungen von Vitamin K2 entdeckt. Die Zähne sind nur ein Symptom, das eben leicht für alle erkennbar ist. In Wirklichkeit ist der gesamte Körper vom Vitamin K2-Mangel betroffen.

Wenn es ein Vitamin K2 gibt, dann sollte auch ein Vitamin K1 bekannt sein. Genauso ist es! Aber damit sind wir mit unserer modernen Ernährung durch Gemüse und Salate gut versorgt, es gibt also keine Defizite. Vitamin K1 ist ein wichtiger Faktor für die Blutgerinnung und die funktioniert bei allen Menschen zuverlässig. Wenn nicht, dann sind andere Ursachen dafür verantwortlich. Die Umwandlung von Vitamin K1 in K2 funktioniert bei uns Menschen nicht, im Gegensatz zu vielen Tieren, insbesondere den Wiederkäuern. Vitamin K2 kann im Körper auch nur in geringem Maß gespeichert werden.

Ein wesentlicher Faktor für den fortschreitenden Mangel unserer Ernährung an Vitamin K2 ist die veränderte Tierhaltung. Es fehlt das Grünfutter. In der industrialisierten Landwirtschaft sind die Tiere in den Ställen und werden mit Getreide gefüttert, das nur geringe Mengen an Vitamin K1 enthält und somit entsteht auch weniger Vitamin K2.

Das Nahrungsmittel mit dem höchsten Gehalt an Vitamin K2 ist Natto. Das sind fermentierte Sojabohnen aus Japan. Das Essen ist wegen seines Geschmacks etwas gewöhnungsbedürftig. In Europa ist Natto schwer zu bekommen. Aber viele Vitamin K2-Kapseln werden aus Natto gewonnen. Ähnlich wie Blauschimmelkäse schmeckt es. Es ist auch für Veganer geeignet. Schon lange essen Japaner Natto und  es gibt erstaunliche Geschichten zu Natto und den Samurai, den japanischen Kriegern. Dies würden aber den Rahmen dieser Darstellung sprengen. Es sind Bakterien, die das Natto erzeugen. Dort, wo Natto häufig gegessen wird, gibt es eindeutig weniger Frakturen.

Wieviel Vitamin K2 brauchen wir?

Vitamin K2 hat keine bekannte Toxizität. Eigentlich gibt es ja zwei Arten von Vitamin K2. Tierisches und pflanzliches (bakterielles). Sie haben verschiedene Namen. MK-4 ist das tierische und MK-7 das bakterielle. MK-7 ist leichter zu bekommen, denn MK-4 ist sehr teuer und MK-4 hat nur eine kurze Halbwertszeit. Besser ist also MK-7! Die Produkte werden aus Natto hergestellt. Sie müssen nur einmal am Tag eingenommen werden. In der Regel reichen 200µg Vitamin K2 täglich. Die Einnahme wird zum Essen empfohlen. Wer gleichzeitig Marcumar zur Blutverdünnung einnimmt, muss seine Blutwerte öfter kontrollieren lassen, oder auf die neuen blutverdünnenden Medikamente umsetzen.

Wir wissen inzwischen, wie wichtig Vitamin D für unsere Gesundheit ist. Vor allem wegen der Gefahr einer Osteoporose wird es vielen Nahrungsmitteln zugesetzt. Von den Multivitaminpräparaten über Orangensaft bis zu den Nudeln. Leider nimmt die Zahl der Herzinfarkte damit zu, weil sich das Kalzium auch in den Blutgefäßen ansammelt, anstatt unsere Knochen aufzubauen. Die Lösung dieses Problems besteht aber nicht darin, einfach wieder auf Vitamin D zu verzichten, sondern den Partner des Vitamin D, nämlich Vitamin K2, mit einzubeziehen.

Hier ist eine Zusammenfassung des derzeitigen Wissens über Vitamin K2:

Körperbereich Wirkung von Vitamin K2
Altern allgemein Verlangsamung des Alterungsprozesses
Koronare Herzkrankheit Hemmung der Gefäßverkalkung
Osteoporose Abnahme der Osteoporose
Demenz Verzögerung der Demenz
Faltenbildung Verzögerung der Faltenbildung
Diabetes mellitus Abnahme der Insulinresistenz
Arthritis Verzögerung von Gelenkschäden
Gehirn Verhinderung von Schäden
Krebs Abnahme von Lungen- und Prostata-Krebs
Niere Abnahme von Dialysen
Schwangerschaft Verbesserung der Spermienqualität
Zähne Abnahme von Karies

Das ist die Strukturformel von Vitamin K2:

Struktur von Menachinon

 

 

 

 

Herz und Kreislauf bei Kryptopyrrolurie

Menschen mit KPU leiden in jungen Jahren oft an niedrigen Blutdruckwerten. Sie berichten über Schwindel beim Aufstehen und längerem Stehen. Der Puls ist dabei eher beschleunigt. Viele trinken dann viel, um den Kreislauf aufzufüllen.

Eine der Ursachen ist die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Nebennieren. Sie sind gestresst und produzieren weniger Cortisol und Aldosteron. Dadurch wird auch das Gleichgewicht der Blutsalze verändert. Kalium steigt an und Natrium fällt ab. Also muss ich mehr Salz zu mir nehmen! Das machen viele auch, ganz instinktiv. Sie nehmen die Brezel mit dem meisten Salz und auch in den Salat geben sie mehr Salz. Das Salz bindet Wasser und damit steigt der Blutdruck wieder etwas an.

Durch den Mangel an Vitamin B6 steigt Homozystein leicht an. Viel bedeutender für den Anstieg des Homozysteins sind Vitamin B12- und Folsäure-Mangel. Bei Homozystein handelt sich um eine Aminosäure, die nicht zum Eiweißaufbau benutzt wird. Sie entsteht aus Methionin. Dies ist ebenfalls eine Aminosäure, die der Körper aber selbst nicht aufbauen kann und deshalb über die Nahrung aufgenommen werden muss. Erst durch eine Ernährung mit viel Methionin, also Fleisch, Fisch und Käse erhöht sich bei Vitamin B6-Mangel das Homozystein stärker. Homozystein steht im Verdacht, Blutgefäße zu schädigen und der Entwicklung einer Demenz Vorschub zu leisten. Von besonderer Bedeutung könnte die erhöhte Thrombosegefahr durch eine Schädigung der Gefäßwand sein.

Leider gibt es derzeit keine Studie, die eindeutig zeigen konnte, dass die Senkung des Homozysteins tatsächlich eine gesundheitliche Verbesserung gebracht hätte.

Für uns Ärzte ist die Datenlage über Homozystein sehr enttäuschend. Es gab nämlich inzwischen zahlreiche Studien mit tausenden Patienten. Dabei ging es um Herzinfarkt- und Schlaganfall-Verhütung. Auch die Vermeidung von Thrombosen wurde untersucht. Das Ergebnis war eindeutig. Selbst eine drastische Senkung des Homozysteins um 30% ging nicht mit einer verbesserten Prognose für den Patienten einher.