KPU (Kryptopyrrolurie) und Schilddrüse

Sehr viele Patienten mit KPU leiden gleichzeitig an einer Schilddrüsenerkrankung. Dabei handelt es sich häufig um eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) Diese entsteht meist durch einen Autoimmunprozess mit Zerstörung der Schilddrüse. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um die Autoimmunthyreoiditis Hashimoto. Sie ist die häufigste Autoimmunkrankheit des Menschen.

Vorkommen und Häufigkeit

Hashimoto-Thyreoiditis heißt nach ihrem Entdecker Hakaru Hashimoto, der 1912 in Deutschland diese Krankheit als erster beschrieb. Thyreoiditis bedeutet Entzündung. Dabei handelt es sich nicht um eine Infektion mit Bakterien oder Viren, die Krankheit ist also auch nicht ansteckend. Es handelt sich hier vielmehr um einen Autoimmunprozess durch eine Störung des Immunsystems. Die Folge ist eine fortschreitende Zerstörung der Schilddrüse, wodurch ein Mangel an Schilddrüsenhormonen auftritt, weshalb es zu typischen Beschwerden bei den Patienten kommt.  Gleichzeitig leidet der Patient auch an den Folgen des Autoimmunprozesses.

Frauen erkranken häufiger als Männer. Aber auch Kinder können erkranken. Durch verschiedene Untersuchungen wurde festgestellt, dass zwischen 4-5% der Bevölkerung  an einer Hashimoto-Thyreoiditis leiden. Es ist also davon auszugehen, dass in Deutschland etwa 3-4 Mio. Menschen mit dieser Erkrankung leben.

Typischerweise lassen sich im Blut dieser Patienten Antikörper gegen Bestandteile der Schilddrüse nachweisen. Bei Kindern fehlen die Antikörper meist.

Wird die Schilddrüse mit Ultraschall untersucht, dann erscheint das Bild auf dem Schirm dunkler und fleckiger. Bei Kontrollen kann am eine Verringerung der Größe feststellen.

Die Krankheit ist nicht heilbar. Eine sorgfältige Hormontherapie mit Schilddrüsenhormonen beseitigt weitgehend die Beschwerden. Die Patienten müssen individuell behandelt werden und weitere Autoimmunerkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Gleichzeitig wird auch versucht, die Überaktivität des Immunsystems zu senken.

Welche Beschwerden können auftreten?

Die Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis sind sehr unterschiedlich. Während ein Teil der Patienten nur geringe Beschwerden hat, die durch den Ausgleich der Schilddrüsenhormone rasch behoben werden können, weist ein großer Teil verwirrende und für den einzelnen Patienten belastende Symptome auf. Da die Erkrankung oft langsam beginnt, werden die Beschwerden zunächst gar nicht wahrgenommen. Ganz selten stehen am Anfang die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion im Vordergrund. Eine medikamentöse Behandlung der Überfunktion muss nur sehr selten vorgenommen werden. Typisch sind dagegen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion. Auch ein Wechsel zwischen Über- und Unterfunktion kann vorkommen. Oft ist es nicht einfach, die Beschwerden richtig zu deuten, da auch Schwitzen, Herzklopfen und Schlafstörungen bei einer Schilddrüsenunterfunktion und z.B. Müdigkeit bei einer Überfunktion vorkommen können. Wichtig ist, dass bei älteren Menschen weniger Symptome auftreten als bei jüngeren und nicht alle aufgeführten Symptome auftreten müssen. Auch wenn am Anfang eine Überfunktion aufgetreten ist, kommt es im weiteren Verlauf schließlich doch zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Hier die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Konzentrationsstörung und Abnahme der Gedächtnisleistung
  • Niedriger Puls und Anstieg des Blutdrucks, Herzklopfen
  • Depression, Ängste und Panikattacken
  • Trockene, stumpfe Haare, die leicht ausgehen
  • Juckende Kopfhaut
  • Verdickte, gelbliche Haut mit Schwellungen, auch um die Augen
  • Verstopfung
  • Frieren, Kälte wird nur schlecht toleriert
  • Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung
  • Zyklusstörung und Infertilität bei Frauen
  • Libidoverlust
  • Kribbeln und Einschlafen der Hände überwiegend in der Nacht
  • Schlechte Wundheilung und Tendenz zu blauen Flecken
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Verlangsamte Reaktionsfähigkeit, kein Antrieb
  • Anstieg des Gesamt-Cholesterins, bei Abfall des HDL-Cholesterins
  • Erhöhte Leberwerte

In der Phase der Schilddrüsenüberfunktion, auch bei Überdosierung der Schilddrüsenhormone, treten folgende Symptome auf:

Symptome der Schilddrüsenüberfunktion:

  • Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität, verstärkte Sinneseindrücke
  • Herzklopfen, Herzrasen, Blutdruckerhöhung
  • Muskelschwäche, Muskelschmerzen wie bei Muskelkater
  • Zittern der Hände
  • Schlafstörungen
  • Schwitzen, feuchte und warme Haut
  • Heißhunger und starken Durst
  • Weicher Stuhl oder Durchfall
  • Zyklusstörung bei Frauen
  • Gewichtsabnahme, trotz verstärkter Kalorienzufuhr

Zusätzlich zu den Symptomen der gestörten Schilddrüsenfunktion können weitere Symptome auftreten, die durch die Störung des Immunsystems hervorgerufen werden:

  • Gelenk- und Muskelschmerzen mit Schwellungen
  • Schmerzen im Bereich der Schilddrüse und des Nackens
  • Kloßgefühl im Hals und Heiserkeit
  • Hautveränderungen, wie  Rosazea, Ekzeme, Pigmentstörung
  • Trockene Schleimhäute und wenig Tränenflüssigkeit („Sicca-Syndrom“)
  • Ohrgeräusche (Tinnitus) und Schwindel
  • Grippeähnliches Gefühl und Lymphknotenschwellungen
  • Störung der Blutneubildung mit Blutarmut
  • Verstärkte Infektanfälligkeit

Wie kommt es zur Schädigung der Schilddrüse?

Die genaue Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht bekannt. Es handelt sich um ein komplexes Geschehen, bei dem genetische, immunologische, hormonelle und auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Infektionen mit Viren oder Bakterien sind als Auslöser diskutiert worden. Möglicherweise wird durch Mikroorganismen das Immunsystem in besonderer Weise aktiviert und verändert. Auch jodhaltige Substanzen werden als Auslöser angesehen. Moderne Konzepte gehen aber davon aus, dass die Störung des Immunsystems durch „oxidativen Stress“ und die Entstehung  Freier Radikale verursacht wird. Dabei haben die vorhandenen anti-oxidativen Schutz-Mechanismen versagt.

Von Bedeutung ist, dass sich die Symptome von KPU und Hashimoto stark ähneln, so dass eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion immer ausgeschlossen werden sollte.

 

 

 

 

 

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Autor: lebenmitkpu

Ich bin Arzt, Autor und jetzt auch Blogger. KPU beschäftigt mich seit über 10 Jahren. Immer wieder kommen neue erstaunliche Dinge hinzu. Fast alle Bereiche der Medizin sind betroffen. Ich wünsche mir, dass KPU in der Bevölkerung bekannter wird. Viele Menschen würden davon profitieren und hätten dadurch mehr Lebensqualität.

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